Ich lese hier viel über schöne Wandtablets, durchgestylte Dashboards und Custom Cards – und das sieht oft wirklich toll aus. Bei mir läuft es anders, und ich dachte, das könnte für ein paar von euch interessant sein, die einen ähnlichen Ansatz haben und sich darüber austauschen möchten oder einfach mal eine andere Perspektive lesen wollen.
Meine Philosophie: Ich will mein Haus möglichst wenig bedienen. Kein Tablet an der Wand, auf das ich drücke, wenn mir kalt ist. Stattdessen soll das Haus meine Gewohnheiten und die aktuelle Situation kennen und selbst reagieren. Wenn ich eingreifen muss, ist das für mich eher ein Zeichen, dass die Automatik noch nicht gut genug ist – nicht das Ziel. Was ich stattdessen pflege, sind die Steuerungswerte selbst: Ich hinterlege Zielwerte und Schwellen als Variablen in Helfern, zum Beispiel eine Zieltemperatur fürs Raumklima, und die Kühlung greift erst, wenn die Ist-Temperatur 1,5 Grad darüber liegt.
Mein Tipp an alle, die in eine ähnliche Richtung wollen: Macht euch Gedanken über genau solche Steuerungswerte – darüber entscheidet sich am Ende, ob eine Automatik wirklich passt oder ständig nachjustiert werden muss.
Drei Beispiele, wie das bei mir aussieht:
Kühlautomatik: Statt eines Schalters “Klimaanlage an/aus” läuft bei mir eine Automatik, die Innen- und Außentemperatur sowie Tageszeit zusammen betrachtet und selbst entscheidet, wann gekühlt wird – inklusive Hysterese, damit nicht ständig ein- und ausgeschaltet wird. Ich fasse da eigentlich nie etwas an.
PV-Überschussladen fürs Auto: Die Wallbox lädt automatisch mit dem, was die PV-Anlage gerade übrig hat, inklusive Nachregelung, wenn Wolken durchziehen oder im Haus mehr Verbrauch dazukommt. Auch das läuft komplett ohne mein Zutun – ich merke nur am Ladestand, dass es funktioniert hat.
Beschattung: Das Haus kennt den aktuellen Sonnenstand, die Wettervorhersage und gleicht das mit den realen Werten von Lux- und Leistungssensoren ab. Daraus regelt es meine Beschattung völlig selbstständig, während die Sonne über den Tag wandert – ohne dass ich Rollos oder Markise je manuell nachstellen muss.
Warum Node-RED statt HA-Automationen: Für einfache Sachen nutze ich native Home-Assistant-Automationen – die sind super für “wenn X dann Y”. Aber für Logik wie die Kühl-, Lade- oder Beschattungsautomatik mit Hysterese, mehreren Bedingungen und Nachregelung finde ich Node-RED deutlich angenehmer. Ich kann komplexere Zustände und Abläufe einfach besser abbilden und behalten, ohne dass es unübersichtlich wird.
Zum Einordnen, damit ihr wisst, wovon ich rede:
• Home Assistant auf einem Raspberry Pi 5, Synology NAS für Node-RED, Zigbee2MQTT, Mosquitto & Co.
• Rund 260 Geräte und über 2.000 Entities, verteilt auf 15 Bereiche
• Technologie-Mix aus Zigbee2MQTT, HomematicIP, Sonoff, Shelly, dazu PV-Wechselrichter und Wärmepumpe eingebunden
• Node-RED mit rund 290 Nodes über ~24 Tabs
Für die seltenen Fälle, in denen ich doch mal manuell eingreifen will, habe ich alles, was sich sinnvoll einbinden lässt, in HomeKit eingebunden – dann geht’s einfach per Siri, ohne dass ich irgendwo hin tippen muss.
Ich bin überzeugt, dass Voice Assist und lokale LLMs spätestens in zwei Jahren Standard in solchen Setups sein werden – die Kombination aus Sprache und einem Modell, das den Kontext des eigenen Hauses versteht, ist für mich der nächste logische Schritt weg vom Dashboard.
Ich will hier niemanden bekehren – wer Spaß an Dashboards hat, immer her damit, sieht ja auch klasse aus. Ich fand nur den Gedanken interessant, mal die andere Seite zu zeigen: ein Haus, das im Hintergrund arbeitet und bei dem “gutes Ergebnis” bedeutet, dass ich möglichst selten etwas anfassen musste.
Falls jemand ähnlich tickt oder Fragen zur Kühl-, Lade- oder Beschattungsautomatik hat – gerne fragen, ich halte mich bewusst unkonkret was Code angeht, aber am Konzept rede ich gerne weiter.